Mit einer tollen Moral haben die Engelsdorfer auch das erste Spiel nach Eroberung der Tabellenführung siegreich gestaltet, Stadtliga-Absteiger SG Olympia 1896 Leipzig auf eigenem Platz mit 4:1 bezwungen. Die lange Liste verletzter sowie beruflich verhinderter Akteure ließ den Kader auf gerade einmal 13 Spieler schrumpfen, auf der Bank nahm neben Ersatztorwart Fleischer lediglich der ebenfalls angeschlagene Wießner Platz. Was die Mannschaft trotz der Widrigkeiten über die kompletten 90 Minuten ablieferte, war aller Ehren wert, wenngleich man sich das Spiel durch zunächst mangelhafte Chancenverwertung unnötig lange schwer machte.

Von Beginn an übernahmen die Hausherrn erwartungsgemäß das Kommando auf dem Platz. Geduldig und kombinationssicher suchte man den Weg in die Hälfte der Gäste, die vornehmlich damit beschäftigt waren, das eigene Tor zu verteidigen. Die erste Möglichkeit vergab nach tollem Spielzug über Salbert, Seidel und Brandenburger Lok-Angreifer A. Jacobi, als der Ball aus kurzer Distanz von dessen Schienbein letztlich über dem Kasten landete. Einen Weichert-Eckball köpfte Brandwein Richtung kurzes Eck, Olympia-Schlussmann Breuer tauchte ab und lenkte die Kugel noch um den Pfosten. Direkt im Anschluss zielte auch Brandenburger per Kopf zu hoch. Die klarste Möglichkeit in Halbzeit eins hatte allerdings Weichert. Nach Zuspiel von Koenigs hatte der Lok-Kapitän plötzlich freie Bahn, allein vor Breuer schob er ihm die Kugel per schwachem Abschluss in die Arme. Auch Brandenburger scheiterte erneut, als er statt zu köpfen mit einer Direktabnahme das falsche Mittel wählte.

Kurz vorm Pausenpfiff dann doppelter Schock auf Seiten der Klinger-Elf: zunächst verletzte sich Abwehrchef P. Jacobi nach einem Zweikampf am lädierten Knie, versuchte es nach kurzer Behandlungspause zwar noch einmal, musste allerdings zur Halbzeit raus. Nach einer ersten Einschätzung ist es wohl doch „nur“ eine kleinere Blessur, bleibt zu hoffen, dass sich dies bestätigt! Zu allem Überfluss starteten die Gäste kurz darauf ihren einzig, gefährlichen Vorstoß Richtung Lok-Tor, schlossen diesen in Person von Torjäger Bardoux mehr als überraschend zum Führungstreffer gegen kurzzeitig unsortierte Engelsdorfer ab (45.). 

Für P. Jacobi wurde nach dem Wechsel Wießner in die Abwehrreihe beordert. Auf Grund anhaltender Kniebeschwerden kann auch er seit Wochen nur dosiert trainieren, fügte sich jedoch sofort nahtlos in die nun von Brandwein organisierte Hintermannschaft ein. Die Lok-Mannen kamen mit reichlich Wut im Bauch aus der Kabine, man merkte sofort, dass der mehr als unnötige Pausenrückstand unbedingt korrigiert werden sollte. Das Pech schien ihnen jedoch zunächst weiterhin an den Stiefeln zu kleben. Bei einem Tor von A. Jacobi, das wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannt wurde, sowie einem Pfostenschuss von Kollrich, blieb den Gästen das Glück zunächst weiterhin hold. Nach Zuspiel von Weichert auf Brandenburger hatte dieser nur noch Breuer vor sich, scheiterte jedoch abermals am Schlussmann. Von Resignation im Team des Spitzenreiters allerdings keine Spur, mit kühlem Kopf und großem Einsatz wurde weiterhin zielstrebig agiert, eine Belohnung schien nur eine Frage der Zeit. Diese wurde sich Mitte der zweiten Hälfte dann energisch erarbeitet, als A. Jacobi nach Doppelpass im Sechzehner von einem Gegenspieler von den Beinen geholt wurde. Weichert legte sich das Spielgerät zurecht und glich sicher zum überfälligen 1:1 aus. Die Gäste von der Mühlwiese kamen wenig später durch ihren besten Mann Pohl zur ersten und zugleich einzigen Chance in Halbzeit zwei. Bei dem kernigen Freistoß musste Schulz all sein Können aufbieten, kratzte die Pille per Glanzparade noch aus dem Winkel.

Fortan waren allerdings ausschließlich wieder die Klinger-Mannen am Drücker. Über die Flügelzange Seidel / Kollrich wurde mächtig Druck gemacht, auch die starken Salbert, Koenigs und Brandwein schalteten sich immer wieder mit in die Offensive ein. Im Anschluss an einen schnell ausgeführten Einwurf von A. Jacobi erzwang Weichert rund zehn Minuten vor Ende den zweiten Treffer, seine scharfe Eingabe konnte SG-Defensivmann Renda nur noch ins eigene Netz bugsieren (82.). Von nun an lief die Engelsdorfer Angriffsmaschine auf Hochtouren, binnen weniger Minuten wurden die Gäste endgültig „erlegt“. Nach Pass von Weichert erhöhte A. Jacobi per Lupfer über den herauseilenden Breuer zur Entscheidung (84.), ein Zuspiel des Torschützen nutzte Brandenburger aus der Drehung schließlich zum Endstand (89.). 

Erleichterung auf der einen, lange Gesichter auf der anderen Seite. Auf Grund der Überlegenheit gab es letztlich jedoch keine zwei Meinungen über den verdienten Sieger. Mit dem sechsten Sieg im sechsten Spiel konnte somit Rang eins erfolgreich verteidigt und die tolle Serie weiter ausgebaut werden. Nächste Woche steht erneut ein Derby auf dem Programm, am kommenden Samstag wartet der benachbarte SV Mölkau 04 auf die Lok-Elf. mw

Engelsdorf: Schulz - Salbert, P. Jacobi (46. Wießner), Brandwein - Seidel, Karwatzky, Koenigs, Kollrich - Weichert (C), A. Jacobi - Brandenburger

Tore: 0:1 Bardoux (45.), 1:1 Weichert (66., FE), 2:1 Renda (82., ET), 3:1 A. Jacobi (84.), 4:1 Brandenburger (89.)

Schiedsrichter: Christian Hasse

Assistenten: Martin Mentzel, Hannes-Christopher Lechner

Zuschauer: 45

 

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