Moral bewiesen, Spiel gedreht und letztlich doch wieder punktlos: Momentan läuft's einfach nicht bei Lok Engelsdorf. Dass diese These maßlose Untertreibung beinhaltet, zeigt ein Blick auf die ernüchternde Auswärtspartie am vergangenen Sonntag beim SV Tapfer Leipzig. Einen frühen Rückstand kehrte die Klinger/Mißlitz-Elf mit klasse Moral noch vor der Pause in eine eigene Führung, um nach dem Wechsel zum wiederholten Male durch nachlässiges Defensivverhalten und gnadenlos bestrafte Fehler die Partie komplett aus den eigenen Händen zu geben. Zu allem Überfluss musste mit Abwehrchef Patrick Jacobi erneut ein wichtiger Spieler vorzeitig vom Feld, der seiner Mannschaft dadurch in den nächsten Wochen schmerzlich fehlen wird.

Für die Lok-Kicker, die sich nach den zwei Pleiten in Folge einiges vorgenommen hatten, begann die Partie zunächst äußerst ungünstig. Einen scharf getretenen Eckstoß verwertete Kober rund drei Meter vor der Linie mutterseelenallein per Kopf zur Führung (8.). Dass dies die einzig wirklich gefährliche Aktion der Heimelf bis zum Pausenpfiff sein sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt ganz sicher niemand. Die Gäste zeigten sich recht unbeeindruckt vom frühen Rückstand, ließen unaufgeregt den Ball laufen und brachten die Hausherren mit cleveren Nadelstichen immer wieder in Bedrängnis. Alex Jacobi scheiterte nach tollem Solo am Tapfer-Schlussmann, Sven Brandwein brachte bei seinem Versuch zu wenig Druck hinter den Ball und verpasste kurz darauf nach einem Freistoß von Weichert per Kopf nur knapp das Gehäuse.

Der längst verdiente Ausgleichstreffer schien nur eine Frage der Zeit zu sein, rund zehn Minuten vor der Pause war es dann auch endlich soweit. Beim Klärungsversuch im Strafraum sprang einem SVT-Akteur der Ball an die Hand, Strafstoß war die logische Konsequenz. Sascha Seidel trat an und erzielte das überfällige 1:1 (34.). Doch damit nicht genug. Nach Freistoß vom Torschützen aus dem Halbfeld, landete die Kugel direkt vor den Füßen von Weichert. Dessen Schussversuch wurde noch abgeblockt, Patrick Jacobi schaltete blitzschnell und drosch das Spielgerät humorlos aus Nahdistanz zur Engelsdorfer Führung unter den Querbalken (37.). Die Begegnung war gedreht. Mit einem positiven Gefühl und dem Momentum auf ihrer Seite, schworen sich die Lok-Kicker in der Kabine auf die zweite Hälfte ein.

Das Vorhaben, den Gegner weiterhin konsequent vom eigenen Kasten fern zu halten und die Marschroute aus Hälfte eins weiter fortzusetzen, wurde binnen kürzester Zeit über den Haufen geworfen. Einer der gefühlt 50 weit nach vorn geschlagenen Bällen von Tapfer-Keeper Schwarze sorgte für Durcheinander in der Lok-Defensive, so dass Kober an den Ball gelangte und von Fleischer nur noch per Foulspiel gebremst werden konnte. Hohl trat zum Elfmeter an und schickte den Lok-Schlussmann in die falsche Ecke - 2:2 (51.). Drei Minuten später konnte erneut Kober nicht energisch genug gestört werden, seine gefühlvolle Hereingabe köpfte Hertwig ohne Gegenwehr zur Führung für die Heimelf ins Netz (54.). Innerhalb kürzester Zeit lief das Spiel für die Engelsdorfer komplett aus dem Ruder. Der Rückstand wirkte wie ein Genickschlag, von dem sich der Aufsteiger in der Folgezeit nicht wieder erholen sollte.

Eine kollektiv unterirdische zweite Hälfte machte es der Heimelf nicht allzu schwer, das Spiel in ihre Bahnen zu lenken, wenngleich diese ebenfalls keine Bäume ausriss. Der auffälligste Tapfer-Akteur, Oliver Kober, sorgte nach ähnlichem Strickmuster wie vorm Ausgleichstreffer Mitte der zweiten Hälfte dann bereits für die Vorentscheidung. Erneut war Schwarze der Ausgangspunkt, nach sehenswertem Solo kam die Nummer 8 diesmal selbst zum Abschluss und traf zum 4:2 ins kurze Eck (65.). Weitere gute Gelegenheiten ließen die Hausherren teils kläglich liegen, auch Fleischer verhinderte zweimal Schlimmeres für sein Team.

Zahlreiche Fehlabspiele und Ballverluste prägten quasi die kompletten zweiten 45 Minuten seitens der Lok-Kicker. Ohne Mut und Selbstbewusstsein ergab man sich ein Stück weit seinem Schicksal, auch wenn zumindest kämpferisch versucht wurde, dem körperlichen Spiel der Hausherren Paroli zu bieten. Als nach abgewehrtem Freistoß der aufgerückte Patrick Jacobi einen Schritt zu spät gegen Anders kam und diesen am Fuß erwischte, zückte Schiedsrichter Groß glatt Rot. Die Interpretation des Unparteiischen war zumindest fragwürdig, zumal sich Jacobi umgehend entschuldigte und die etwas unglückliche Aktion - die zweifelsohne ein Foulspiel war - vorrangig dem Ball galt. Nachdem Fleischer einen Distanzschuss nicht festhalten konnte und der eingewechselte Then zum letztlich verdienten 5:2 abstaubte (90.), war die Partie Geschichte.

Mit hängenden Köpfen und der dritten Pleite in Serie schlichen die Engelsdorfer vom Platz. Bei aller Enttäuschung muss und wird es selbstverständlich trotzdem weiter gehen. Mit dem SSV Markranstädt II empfangen die Klinger/Mißlitz-Mannen kommendes Wochenende den Tabellen-15. zum nächsten Heimspiel an der Hans-Weigel-Straße. mw

Engelsdorf: Fleischer - Salbert (65. Kollrich), P. Jacobi (77. Rot), Buegger - Brandwein, Seidel, John, Apreck - Weichert (C) - A. Jacobi, Brandenburger (75. Möchen)

Tore: 1:0 Kober (8.), 1:1 Seidel (HE, 34.), 1:2 P. Jacobi (37.), 2:2 Hohl (FE, 51.), 3:2 Hertwig (54.), 4:2 Kober (65.), 5:2 Then (90.)

Schiedsrichter: Oliver Groß

Assistenten: Bodo Fritz, Kevin Schwing

Zuschauer: 98

Bilder zum Spiel gibt's HIER!

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