Verspäteter Anpfiff, ungenutzte Chancen, Verlängerung, Flutlicht, schwere Verletzung, Siegtreffer, Platzverweis: Ja, das Stadtpokal-Drittrundenmatch bei der SG Olympia 1896 Leipzig hatte es durchaus in sich. Schmal war der Grat zwischen Süßem und Saurem am gestrigen Feiertag, der letztlich mehr von Halloween denn dem Reformationsfest hatte. In einem echten Pokalkrimi setzten sich die favorisierten Engelsdorfer auf der Mühlwiese dank eines späten Treffers von Kapitän Marco Weichert denkbar knapp mit 1:0 durch. Trotz großer Überlegenheit gegen einen ausschließlich auf Defensivarbeit ausgelegten Gastgeber, machten es die Lok-Kicker über die reguläre Spielzeit hinaus spannend. Vergebene Großchancen sowie ein bestens aufgelegter Olympia-Keeper verhinderten eine vorzeitige Entscheidung zu Gunsten der Lok-Kicker.

Aber der Reihe nach. Zunächst mussten sich die Akteure beider Teams in Geduld üben. Da sich die C-Junioren der SG Olympia und des VFC Plauen im vorher stattfinden Landespokalmatch in letzter Sekunde noch in die Verlängerung und schließlich gar bis ins Elfmeterschießen zwangen, war klar, dass aus einem pünktlichen Anpfiff definitiv nichts werden kann. Zwischenzeitlich wurde seitens des Schiedsrichtergespanns um Matthias Clement gar überlegt, ob eine Durchführung auf Grund der späten Anstoßzeit überhaupt zu verantworten sei. Immerhin bestand auch hier die "Gefahr" einer Verlängerung sowie eines Elfmeterschießens. Nach eingehender Beratung wurde sich dann doch für den Anpfiff der Partie entschieden, kurz nach 15 Uhr rollte der Ball.

Im Prinzip war schnell war klar, wie das Spiel auf der Mühlwiese ablaufen sollte. Die Engelsdorfer, mit gefühlten 98% Ballbesitz, spielten sich gegen die „olympische Mauer” einen Wolf und versuchten, Lücken im dicht gestrickten Abwehrnetz der Heimelf zu finden. Immer wieder wurde es über die Außenbahnen versucht, die richtige Durchschlagskraft fehlte dabei allerdings. So waren es zunächst Standards, die Torgefahr aufkommen ließen. Im Anschluss an eine John-Ecke schnappte sich Weichert die Kugel an der Strafraumgrenze, scheiterte aber an Schlussmann Windisch. Den Abpraller setzte der derzeit verhinderte Torjäger David Brandenburger neben den Kasten. Sven Brandwein und Patrick Jacobi hatten nach einem Freistoß aus dem Halbfeld ebenfalls kein Glück. Auch Alex Jacobi - sein Einsatz war auf Grund von Arbeitsverpflichtungen ab 16 Uhr von vornherein nur für maximal eine Halbzeit vorgesehen und wegen des späten Beginns bereits ab Minute 35 beendet - versuchte es vergebens aus der Distanz.

Die Gastgeber brachten offensiv im ersten Durchgang nicht viel bis gar nichts zu Stande. Selbst aus Ballverlusten der Engelsdorfer wussten sie kaum Kapital zu schlagen, einzig ein Freistoß von Awasom sorgte für etwas Aufsehen. So unterstütze die Defensivreihe um Reiche, Salbert und Brandwein die beiden Sechser P. Jacobi und John immer wieder im Aufbauspiel. Bis zum Pausenpfiff blieb es beim Bemühen, torlos wurden die Seiten gewechselt.

Auch nach Wiederbeginn das gleiche Bild. Der Favorit beherrschte das Geschehen ohne jedoch einen Wirkungstreffer landen zu können. Brandwein und Reiche scheiterten nach Eckball von John jeweils per Kopf, ebenso Kaden nach Flanke von Koenigs wenig später. Eine Doppelchance von Brandenburger, der erst einen Gegenspieler auf der Linie anschoss und anschließend Windisch zu einer Glanzparade zwang, setzte dem beinahe utopischen Chancenverhältnis die Krone auf.

Als Mitte der zweiten Hälfte Robert John im Fünfmeterraum von den Beinen geholt wurde, rechneten alle Beteiligten mit dem fälligen Elfmeterpfiff. Schiedsrichter Clement entschied sich für unmittelbaren Vorteil, den Brandenburger leider nicht zu nutzen wusste. Grenzwertig.

So lief die (reguläre) Spielzeit unaufhörlich davon, alles deutete auf eine Verlängerung hin. Im Grunde kein Problem, wäre da nicht die verspätete Anstoßzeit gewesen. Kurz vor Beginn der ersten 15 Extraminuten musste die eigentlich nur für den Trainingsbetrieb vorgesehene Flutlichtanlage auf der Mühlwiese angeworfen werden. Pokal, Verlängerung, Flutlicht - Fußballherz, was willst Du mehr!

Nachdem beide Spielführer die erneute Platzwahl beendet hatten, ging es beiderseits in dieselbe Richtung weiter. Klar, dass die Lok-Kicker weiterhin bestrebt waren, einer möglichen Elfmeter-Lotterie gegen den Underdog aus dem Weg zu gehen. So wurden nochmal alle verfügbaren Kräfte gebündelt, was schließlich in der 98. Minute zur Erlösung führen sollte. Der unermüdlich an den Ketten zerrende Patrick Jacobi lief nach Doppelpass mit Kaden links bis zur Grundlinie und brachte den Ball flach nach innen. Weichert startete im richtigen Moment durch und schob die Kugel unhaltbar für Windisch zum Führungstreffer ins kurz Eck (98.).

Der Jubel hielt allerdings nur kurz an. Der Torschütze musste seinen Vorlagengeber unmittelbar im Anschluss vor den heranstürmenden Mitspielern „schützen”, da dieser mit schmerzverzerrtem Gesicht noch immer an der Seitenlinie lag. Schnell war klar: Hier ist was Schlimmeres passiert. Mit dem Rettungswagen wurde Patrick ins Krankenhaus gebracht, dort wurde seine ausgekugelte Schulter wieder eingerenkt. Bleibt zu hoffen, dass die Nachuntersuchung keine weiteren Schäden ergibt und er so schnell wie möglich wieder gesund wird und auf dem Platz stehen kann! Wir drücken selbstverständlich alle Daumen!!!

Zu allem Überfluss holte sich Sven Brandwein kurz darauf die zweite Gelbe ab, so dass die Engelsdorfer die letzten gut zwanzig Minuten in Unterzahl auskommen mussten. Den direkt folgenden Freistoß aus rund 18 Metern kratzte Kittel sehenswert aus der Torwartecke. Mit schweren Beinen aber der richtigen Einstellung wurde der nun etwas mutiger auftretenden Heimelf nichts mehr gestattet und der kostbare Vorsprung letztendlich ins Ziel gerettet. Ein mehr als verdienter Sieger stand nach 120 Minuten fest, wenngleich die Verletzung den Einzug ins Achtelfinale maßgeblich trübte.

Weiter geht's für die Klinger/Mißlitz-Elf am kommenden Wochenende auf eigenem Terrain. Zum 11. Stadtliga-Spieltag gibt sich die Zweitvertretung der BSG Chemie Leipzig die Ehre. Anpfiff an der Hans-Weigel-Straße ist am Samstag gewohntermaßen 14 Uhr! mw

Engelsdorf: Kittel - Salbert (46. Thümmler), Reiche, Brandwein (103. Gelb-Rot) - Koenigs, P. Jacobi (102. Jama), John, Kaden - Weichert (C) - A. Jacobi (35. Winkler), Brandenburger

Tor: 0:1 Weichert (98.)

Schiedsrichter: Matthias Clement

Assistenten: Axel Miksa, Kai Rachner

Zuschauer: 50

Bilder zur Partie gibt's HIER!

Nach oben